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Reizthema "Übergewicht" 14.5.2007

© Dr. Günter Nöll - © Dr. Günter Nöll

Reizthema "Übergewicht" 14.5.2007

Am Mo 14.05.2007
Sieht man sich unsere Bäuche an (jede/r 2. ÖsterreicherIn ist übergewichtig - und das beginnt schon bei den Babies!), so sollte man meinen, uns ginge nichts ab, am allerwenigsten würden wir Hunger leiden. Dabei verhungern viele im Überfluß: an Mineralstoffdefiziten, Vitaminmangel und all den Folgen. Und weil man inzwischen erkannt hat, daß dafür, woran wir sterben und unter welchen oft jämmerlichen Umständen, die Art und Weise schuld ist, wie wir uns ernähren: raffinierter Zucker - raffiniertes Mehl - raffinierte Öle/Fette (und die noch dazu erhitzt zum Braten und Frittieren!) etc., weil also inzwischen klar ist, daß unsere Nahrung nicht mehr funktional ist (uns nicht mehr am Leben erhält - "der Mensch ist, was er ißt!" - mit anderen Worten: aus vielen unserer einstigen "Lebens"-Mittel sind eher "Sterbens"-Mittel geworden), deshalb brauchen wir nun "Functional Food", Nahrungsergänzungsmittel, Multivitamin-Präparate etc., zahlen doppelt - und wissen dabei noch gar nicht, ob wir nicht schon wieder in eine neue Falle tappen.

[img=1][/img] "Die Topinambur kam zur selben Zeit aus der Neuen Welt nach Europa wie die Kartoffel. Im Gegensatz zu den so heiß geliebten, aber gesundheitlich keineswegs unbedenklichen "Erdäpfeln" sind die Inulin-haltigen Knollen dieser einst weit verbreiteten Sonnenblumenart völlig ungiftig - ein wesentlicher Grund für ihre derzeitige Renaissance."
Nicht umsonst sind die Geschmacks-Rezeptoren für "süß" und "salzig" ganz vorn an der Zungenspitze platziert bzw. über die gesamte Zunge verteilt - weil Süßes (Energie) und Salz damals rar waren und man sicher gut daran tat, sich sogleich so viel wie möglich davon zu holen, wenn man zufällig darauf gestoßen ist. Ähnlich ist es mit unserer Vorliebe für Fett/Cremiges. Und heute sind wir immer noch programmiert auf süß, salzig und fett, obwohl wir davon im Überfluß angeboten bekommen. Damals war es auch sinnvoll, seine Energie zu schonen und es sich so oft wie möglich bequem zu machen - Bewegung hatte man sowieso zur Genüge und im Notfall brauchte man seine Reserven! Und wer will heute eine Stiege hochsteigen, wenn er nicht gerade muß? Auch an dieser Disposition hat sich nichts geändert! Einst hatten wir auf das Stresshormon Adrenalin tatsächlich noch mit den beiden bekannten "F´s" zu reagieren, durch Flucht (Flight) oder Kampf (Fight), während wir unseren Stress heute kaum noch ausagieren, sondern allenfalls fatalistisch darüber klagen - alles mit den bekannten Folgen!

All das weiß man ja inzwischen zur Genüge! Und schon sind die Desserts süß, aber Zucker-frei, schmecken cremig, ohne auch nur ein Gramm Fett zu enthalten! Sind aber solche Ersatzmaßnahmen wirklich die Lösung oder führen sie uns nur in eine weitere Sackgasse? Niemand weiß es wirklich, berechtigte Bedenken sind angebracht!

Mir fällt immer wieder das Bild ein von den Schnittblumen in einer Vase: wir haben ihnen die Wurzeln abgeschnitten und müssen nun (mit Wasser und event. Nährsalzen) dafür sorgen, daß sie trotzdem noch möglichst lange am Leben bleiben. Ist das nicht auch ein treffendes Bild für unsere Gesellschaft, für unser ganzes Konsumverhalten? Für eine Gesellschaft, in der der einzelne mehr und mehr fremdgesteuert re-agiert anstatt eigenverantwortlich zu agieren; in der er nur noch den Mund aufmacht und wartet, was ihm andere hineinstecken - weil eben die eigenen Wurzeln abgeschnitten oder verkümmert sind. Wer aber sind die anderen?

Inzwischen haben es unsere Zivilisation und unser Fortschritt mit unerbittlicher Konsequenz geschafft, auch jene wenigen noch überlebenden Buschleute zu entwurzeln und sie im Gegenzug von den Surrogaten unserer Kultur abhängig zu machen: von Alkohol und Drogen! Wo also wäre wieder fruchtbarer Boden zu finden, in dem eigenen Wurzeln neu treiben könnten?

Egozentrisch vs. geozentrisch!

Hierzu noch eine weitere Geschichte aus der Steinzeit, entdeckt am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen - es geht diesmal um australische Aborigines. Die "Versuchsanordnung":

Ein Europäer und ein australischer Ureinwohner sitzen vor je einem Tisch. Darauf liegen mehrere Gegenstände (Löffel, Messer, Gabel, eine Tasse, ein Teller) in einer bestimmten Anordnung. Beide sollen sich nun die Anordnung der Gegenstände einprägen. Dann werden sie auf ihrem Stuhl um 180° gedreht. Hinter ihnen (nun vor ihnen) steht ein gleicher Tisch bereit mit den gleichen Gegenständen, allerdings in irgendeiner beliebigen Anordnung. Die Aufgabe: die beiden sollen nun auch diese Gegenstände genau so anordnen, wie sie das in Erinnerung haben!

Der Europäer stellt sie natürlich wieder so hin, wie er das in seinem Gedächtnis abgespeichert hat: die Tasse links hinten, die Gabel etwas rechts davon und näher zu sich usw. Und auch der Aborigine ordnet die Gegenstände genauso an, wie sie für ihn waren. Trotzdem sind die beiden Ergebnisse grundverschieden voneinander! Warum? Während der Europäer von seinem egozentrischen Weltbild ausgeht: "Ich" in der Mitte, und dann eben links, rechts, vor oder hinter dieser Mitte, nimmt der Aborigine sein Weltbild als Orientierungshilfe, das sich allerdings nicht an ihm selbst, sondern an seiner Umgebung ausrichtet, an Norden, Süden, Westen und Osten, also an der Erde, auf der er lebt. Also hatte er sich gemerkt, daß die Tasse in der Nordwestecke des Tisches stand, die Gabel südlich davon usf. - und genauso ordnet er alles auch wieder an - "richtig" für ihn, "falsch" für den Europäer! Bezeichnend, daß der Australier alles "ließ, wie es war", während es der Europäer gewissermaßen "durcheinander bringen" mußte!

Bei genauerer Untersuchung der Sprache dieser Aborigines stellte sich zudem heraus, daß sie auch so reden (der Mensch denkt vermittels seiner Sprache!): "Gib mir bitte die nördliche Tasse!" und nicht etwa die Tasse links vor Dir! Ego-zentrisch gegen Geo-zentrisch! Bislang sind die "Sieger" wir Europäer (ein Blick nach Australien genügt!). Bleibt zu hoffen, dass diese Siege nicht unseren eigenen Untergang be-"siegeln"!

Zurück in die Steinzeit?

Ist dies nun alles zu pessimistisch gesehen? Sollte die Devise etwa gar lauten: "Zurück in die Steinzeit!"? Das ist sicher nicht die Frage! Der große Vorteil, den wir aufgrund unserer Zivilisation gegenüber dem Buschmann haben, ist der, daß wir mehr Wahlmöglichkeiten für unsere Zukunft haben. Nutzen wir sie aber wirklich? Nutzen wir unseren Wissensvorsprung? Können wir es uns leisten, jenes Wissen, das unsere Vorfahren im Laufe von Jahrmillionen angesammelt haben und unser eigenes Wissen zu ignorieren und nicht zu unserem Wohl anzuwenden, es teilweise sogar zu zerstören? Eben: "Alles vergessen! - Und nichts dazu gelernt!"

Und sind nun etwa Wildpflanzen wirklich die Wurzeln unserer Gesundheit - im weitesten Sinne - damit aber auch unserer Gesellschaft? Was können wir von ihnen lernen? Um gesund zu bleiben? Oder es wieder zu werden? Auch an Geist und Seele?

Zumindest stehen diese Wildpflanzen an jenem Kreuzweg, wo ein Teil der Menschen das Jäger-/ Sammlerleben aufgegeben hat, um Pflanzen und Tiere nach seinem Gusto zu domestizieren, wo er sesshaft wurde und schließlich Städte errichtete und damit unsere Zivilisation begründete. Wildpflanzen sind jene pflanzliche Nahrungsquelle, an die sich unser Körper im Laufe von Jahrmillionen optimal angepasst hat - und immer noch weitestgehend angepasst ist! Insofern sind sie auch eine verlässliche natürliche Richtschnur, die uns wieder in größere Nähe zur Natur zu bringen vermag mit der Möglichkeit der Regeneration nicht nur in körperlicher Hinsicht, sondern auch in seelischer und geistiger. Ich zögere, auch Wildtiere mit zu erwähnen - ganz abgesehen von heutigen ethisch/religiösen Erwägungen. Gerade Wildtiere sind in einem von Pestiziden, Insektiziden, Umweltgiften, Radioaktivität etc. nicht gerade verschonten Europa am Ende der Nahrungskette besonders stark in Mitleidenschaft gezogen, so daß sie derzeit keinen "Maßstab" abgeben können. Ansonsten gäbe es sehr viele Parallelen zu den Wildpflanzen - ich will darauf im Zusammenhang mit "Züchten" genauer eingehen.
Dr. Günter Nöll, 14.5.2007
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  • Dr Günter Nöll, Neulengbach

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